Mit Nordfriesland fängt unsere Serie an Reisetagebüchern an.

Im Jahr 2015 fand unsere dritte Heimsuchung Nordfrieslands statt, und irgendwie war es inzwischen wie Nach-Hause-Kommen. Vor allem deshalb, weil die schöne Friesenkate der Familie Suck / Baudewig so heimlig ist.

Überrascht hat uns, wie günstig sich das Reetdach auf das Raumklima auswirkt. Ist es kalt, hält es warm - ist es warm, hält es das Schlafzimmer unter dem Dach kühl.Ein Traum!

Gestaunt haben wir Binnenländer, die nur die Mittelmeer - und Atlantikküste kennen, auch, daß man in Nordfriesland nie das Meer sieht, wenn man nicht nahe dran ist. Im ganzen Land spielt man Häschen in der Grube, denn man ist ständig von Deichen umgeben. Und genau diese Deiche muß man erklimmen, um das Meer zu sehen.

Diese Urlaube waren voller Überraschungen und Erweiterung unseres Wissens. Wir haben das Land und seine Bewohner auch liebgewonnen, trotzdem fahren wir nicht mehr hin, denn inzwischen ist das Bauernland vollgestellt mit riesigen Windrädern. Ein paar davon - oder ganz kleine Gruppen - stören nicht, aber endlose Felder machen nicht nur die Landschaft kaputt, sie sind auch eine Gefahr für alles, was fliegt. Schockiert hat uns das vor allem im Natur- und Vogelschutzgebiet Hauke Haienkoog, ursprünglich als Paradies für Zugvögel gedacht, jetzt eher eine Hackschnitzelanlage. Das tut weh.

Die Insel Nordstrand selbst hat sich erfolgreich gegen diese Vergewaltigung gewehrt. Sind ja auch blitzgescheite Leute dort - und überaus nette!

Und nun in medias res!

Nordfriesland 2015

Reisetagebuch

Abreise bei gutem Wetter um etwa 7.04 Uhr. Wir kommen flott voran, hören allerdings im Verkehrsfunk, daß der Bosrucktunnel teilweise gesperrt werden mußte aufgrund eines LKW-Unfalles und der Verkehr wechselweise angehalten wird. Wir nützen unsere Ortskenntnis und umfahren den Tunnel über den Pyhrnpaß. Im Vorbeifahren sehen wir einen mehrere Kilomenter langen Stau vor und nach dem Tunnel - die Ärmsten, das wird Stunden dauern.

Die Autobahn Passau - Nürnberg ist die übliche Katastrophe. Wir fahren immer wieder ab auf die Bundesstraßen, kommen aber vom Regen in die Traufe. So atmen wir auf, als wir nach Regensburg auf die östlichen Autobahnungen ausweichen können. Dort ist der Verkehr zwar dicht, aber flüssig, nur gelegentlich mal zähflüssig und wir kommen gut weiter.

Gegen 16.00 Uhr gelangen wir nach Coburg, unserem Zwischenziel. Das Hotel ist schnell gefunden, es ist eine ehemalige Villa, die umgebaut wurde - der Name sagt es auch: Hotel Stadtvilla. Wir werden sehr freundlich empfangen und das Zimmer ist sehr hübsch und praktisch. Nach dem Duschen machen wir uns auf zu einem Altstadtbummel.

Die Stadt ist sehr schön und überaus gepflegt. Es ist ziemlich heiß, also kehren wir im "Pfannküchle" ein auf ein Eis und ein Getränk. Dann spazieren wir durch die kleine aber feine Altstadt und landen schließlich im - riesigen - Park der Veste. Diese haben wir schon vor ein paar Jahren gesehen, also beschränken wir uns auf einen Rundgang im Park.

Schließlich landen wir wieder auf dem Marktplatz bei einem kühlenden Getränk. Natürlich müssen wir auch die berühmten Coburger Bratwürste kosten und holen uns eine solche im Brötchen bei einem Stand. Diese werden auf rauchenden Kiefernzapfen gebraten, das verleiht ihnen einen ganz besonders guten Geschmack.

Gegen 21.00 Uhr kehren wir ins Hotel zurück und ich lade die Fotos ins Notebook und schreibe das Tagebuch, ehe wir müde ins Bett fallen.

Gute Nacht!

 

Samstag, 27. Juni 2015

Heute kommen wir nicht so früh weg wie gestern, denn wir frühstücken noch im Hotel. An sich gibt es Frühstück erst ab 8.30, aber für uns kam die Rezeptionistin früher und richtet das Buffet schon ab 7.30, zumindest die Hauptsachen sind schon da. Das hat sie uns am Vorabend ans Herz gelegt, als wir sie informierten, daß wir schon früher abfahren würden. Wir konnten dieses ungemein freundliche Angebot nicht ablehnen und so sind wir heute erst nach 8.00 Uhr unterwegs. Das macht aber nichts, denn auf Nordstrand wartet niemand auf uns und so ist es egal, wann wir ankommen.

Das Wetter ist eher kühl heute und gelegentlich regnet es leicht, aber das macht die Fahrt eher angenehmer als die Hitze am Vortag.

Es geht ganz gut, denn der Meinige hat das Navi so programmiert, daß die ganzen Staubereiche um die großen Städte herum vermieden werden. Hin und wieder wird der Verkehr ganz kurz ein bißchen zähflüssig, aber wir kommen gut voran.

Bei einer kurzen Rast auf einem der Parkplätze fallen uns auf der etwas schütteren Grünfläche jede Menge Löcher auf - und zwischen diesen laufen Feldmäuse ganz ungeniert herum und knabbern am Gras. Wir finden das sehr unterhaltsam. Sie zu beobachten verkürzt die Pausenzeit auf vergnügliche Art.

Am späten Nachmittag erreichen wir Husum, in das ich mich rettungslos verliebt habe, und kaufen im Skymarkt das Nötigste ein und gegen 18.00 Uhr haben wir unser Quartier erreicht. Die schöne Friesenkate der Familie Suck / Baudewig wartet auf uns und wir fühlen uns sofort zuhause. Es wohnt sich so herrlich unter'm Reetdach auf dem Deich!

In der Küche erwartet uns der für das Frühstück gedeckte Tisch, im Brotkorb liegt eine große Tüte mit Feingebäck. Da muß man sich ja willkommen fühlen!

Alles ist bestens - nur die Handtücher fehlen. Also Anruf bei Herrn Suck, der die Hausbetreuerin verständigt. Diese findet sich innerhalb weniger Minuten ein und wir werden mit dem Fehlenden versorgt. Außerdem überreicht sie uns lächelnd als Gastgeschenk eine ganze Packung mit frischgelegten Eiern ihrer eigenen Hennen - ist das nicht lieb? Nach einem netten Plausch (eigentlich müßte ich ja jetzt "Schnack" sagen!) verabschiedet sie sich und wir lassen uns häuslich nieder.

Laden der ersten Fotos von "daheim" und Schreiben des Tagebuchs und ein gemütlicher Leseabend beschließen den Tag.

 

Sonntag, 28. Juni 2015

Der Morgen ist schon wunderschön, es verspricht ein warmer Tag zu werden. Das gehört sich auch so, denn heute habe ich Geburtstag.

Der Meinige fährt morgens gleich zur Engelmühle und holt Croissants zum Frühstück und Brot für den Abend und morgen früh, denn Montags hat der Bäcker frei.

Mittags ist ein Tisch bestellt im ältesten Gasthof Husums, dem Dragseth. Wir fahren schon früher los, drehen eine Begrüßungsrunde auf Nordstrand und dann geht es nach Husum auf den altbekannten Parkplatz am Stadtrand.

Von hier sind es nur ein paar Schritte in die Altstadt, entlang schöner Anlagen und über die Brücke über den alten Hafen. Es folgt ein Kontrollgang durch die Stadt, schließlich müssen wir wissen, ob alles beim Alten ist oder sich viel verändert hat. Es ist alles, wie es sein soll und im Café am Hafen sitzen die Touristen noch immer beim Frühstück. Im Schloßpark sonnt sich ein Reiher am Ufer des Wassergrabens und Theodor Storm überwacht immer noch den Eingang.

Der schöne Gasthof ist ein mehrere Jahrhunderte altes Haus und ist wesentlich größer, als es von außen den Anschein hat. Es verfügt über einen sehr schönen Innenhof und dort lassen wir uns im Schatten nieder. Die Bedienung ist freundlich, die Köche sind bestens aufgelegt und das Essen ist köstlich - ein richtig gelungenes Geburtstagsessen ist das! Ein Blick in deren Website lohnt sich - und der Besuch allemal!

Wir trollen uns beizeiten nach Hause, denn am Nachmittag hat sich Cousine Eveline aus Hamburg angesagt, sie möchte unbedingt mit mir feiern. Das tun wir auch - bei Kuchen und Kaffee im Garten - und später noch bei einem kleinen Abendessen. Gegen 20.30 Uhr verabschiedet sich unser Besuch und wir gönnen uns einen gemütlichen Abend mit Buch.

 

Montag, 29. Juni 2015

Unser Frühstücksbrot ist sehr gut, die Engelmühle ist eine wirklich gute Bäckerei (auch, wenn sie Montags geschlossen hat!). Nach dem Frühstück starten wir das Montagsprogramm: wir fahren wir zur Kurverwaltung, um die Kurtaxe zu bezahlen - über 50 Euro für die zwei Wochen, naja. Der ganze Urlaub kostet wesentlich mehr, da sollte das schon drin sein :)

Dann kaufen wir gleich im benachbarten Inselkaufhaus ein, das sehr gut bestückt ist und auch die Einheimischen versorgt,  und laden die Einkäufe daheim ab.

Jetzt sind wir frei von allen Pflichten und fahren aufs Festland zum Tanken und landen schließlich im Naturschutzgebiet Lüttmoorsiel. Wir haben schönes Wetter und der Wind ist nicht zu heftig und ziemlich weich. Es gibt eine Menge Wasservögel zu sehen und am Straßenrand blüht es heftig. Das ist schon ein paar Fotos wert.

Auf dem Rückweg machen wir im Hofladen auf Nordstrand halt. Hier gibt es alles rund ums Lamm und Galloway Rind, auch Felle und Handarbeiten. Die hausgemachten Konserven sind vielfältig und sehr gut und sie haben auch Frischfleisch und erstklassigen Schaf- und Ziegenkäse. So versorgt fahren wir heim und ich koche Nudeln zum Mittagessen. Nein, es gibt nicht nur Nudeln ... wir haben ja auch Rouladen vom Galloway Rind gekauft und lassen es uns schmecken. Ein Stück vom "National"kuchen beschließt das opulente Mahl.

Nach dem Essen wünsche ich mir eine Fahrt durch die Dörfer. Wir fahren kreuz und quer durch die Gegend und frischen Erinnerungen auf. InTettenbüll besuchen wir die Kirche St. Anna, natürlich gibt es Fotos, klar! Es ist eine schöne Fahrt bei schönem Wetter, wir genießen sie sehr. Und ein bißchen Bewegung ist auch dabei, denn wir müssen immer wieder halten, aussteigen, rumlaufen und fotografieren.

Gegen 17.30 Uhr sind wie wieder zurück, aber wir bleiben nicht lange im Garten, denn der Wind hat aufgefrischt und ist jetzt recht kühl.

Nach dem Abendessen - weichgekochte Eier von Frau Reinhold - schreibe ich wieder das Tagebuch und lade die Fotos auf das Notebook. Ja, und jetzt gibt es noch Frizzante von unserem Winzer daheim - zum Nachfeiern! Und ihr, liebe Leser, guckt jetzt weg, denn es ist nun unser gemütlicher Abend.

Dienstag, 30. Juni 2015

Nach dem Frühstück starten wir zu einem Ausflug nach Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks.

Dänemark hat nur einen Fehler: schnurgerade Straßen in erstklassigem Zustand - auf 80 km/h beschränkt! Das ist langweilig, trotzdem sehen wir Interessantes und wir bemerken, wie sehr sich der Baustil von "unserer" Gegend unterscheidet. Je weiter wir nach Norden kommen, umso mehr ändert sich die Landschaft, sie wird leicht wellig, gerade so viel, daß wir über sanfte Kuppen fahren. Das sieht sehr nett aus.

Ribe ist ein bezauberndes Städtchen. Die Gebäude stammen vorwiegend aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und alles ist sehr gepflegt. Wir begegnen einem älteren Herrn, der mich darauf aufmerksam macht, daß das Häuschen, das ich gerade fotografiere, jünger sei als die stolzen Bauten rundum. Na, ich fotografiere ja nicht nach Alter, sondern nach Motiv, und das Häuschen ist ausgesprochen nett, aber ich bedanke mich bei dem freundlichen Herrn.

Zentrum des Ortes ist der Dom, ein beeindruckendes Bauwerk, das den Eindruck vermittelt als seien es zwei Kirchen, nicht nur eine. Erstaunlicherweise liegt der Dom wesentlich tiefer als der restliche Ort, der einen Ring um ihn bildet. Das erklärt der alte Herr damit, daß die Häuser auf dem Müll errichtet worden sei, den die Leute all die Jahrhunderte hindurch einfach auf die Straße geschmissen hätten. Er erheitert uns damit sehr. Aber es ist einleuchtend: Ribe ist eine Wikingergründung und natürlich wurden die Gebäude auf den Überresten der alten Siedlung errichtet. Der Dom ist auch wesentlich älter als die heutige Stadt ringsum, die Kirchengründung erfolgte um 860 n.Chr. Der ursprüngliche Steinbau wurde 1150 bis 1250 errichtet und immer wieder verändert und umgebaut.

Wir schlendern durch die Altstadt, genießen den Bummel, denn die Stadt ist wirklich schön,  und landen auch in der Katharinenkirche mit dem schönen Kreuzgang des Dominikanerklosters von 1228, wobei die Kirche - sie ist die dritte an dieser Stelle - von etwa 1400 stammt.

Nun wandern wir zum Parkplatz zurück. Unterwegs begegnen wir einer Menge Enten und Sumpfhühnchen, essen unser Mitgebrachtes an einem der Parktische und begeben uns - auf Umwegen - heimwärts.

Der Meinige verläßt sehr bald die Hauptstraße und benützt lieber die kleinen Straßen nahe am Meer, das man wie üblich nicht sieht, liegt es doch hinter dem Deich. Der Grenzübergang ist kaum zu erkennen, es lebe Europa! Natürlich begegnen wir auch Dänen ... auf zwei und vier Beinen. Das Foto der Straßenquerung beweist es.

Südwärts liegt das Naturschutzgebiet Hauke-Haien-Koog, ein Refugium der ziehenden Wasservögel. Da bewähre ich mich als Gänseschreck, denn die sind sehr scheu und flüchten trotz der großen Entfernung von der Straße. Zwar bewege ich mich sehr langsam, aber sie treten alle die Wanderung zum und ins Wasser an. Ätsch - ein paar nette Fotos gelingen doch!

Daheim setzen wir uns in den Garten, essen ein paar der unterwegs gekauften Erdbeeren und lesen den Rest des Nachmittags gemütlich an der Sonne.

So, und jetzt ist das Tagebuch geschrieben - Schluß mit Jubel!

Mittwoch, 1.Juli 2015

Heute wünsche ich mir eine ausgiebige Besichtigungstour in Schleswig. Irgendwie habe ich das Gefühl, es müßte da mehr vorhanden sein als der – zu Recht! – berühmte Dom, der eigentlich kein Dom ist, den man aber nur als „Dom“ kennt.

Schleswig ist in erster Linie eine Hafenstadt an der Schleimündung, eigentlich sollte man dazu ja eher Fjord sagen. Im Parkhaus eines Geschäfts- und Bürohauses kriegen wir einen kostenlosen Parkplatz für ganze 3 Stunden, was uns sehr beeindruckt. Das sollte den Grazern einmal einfallen! Dieses Gebäude liegt in der Neustadt, ein Geschäftsviertel wie halt alle sind. Wir folgen dem Hinweis „Rathaus“ und gelangen ins alte Viertel von Schleswig.

Jetzt wird es sehenswert, denn wir werden zum Holm geleitet. Wolfgang schlägt das Wort abends nach: Holm ist dänisch und bedeutet kleine Insel. Das war es ursprünglich auch, eine Fischerinsel, die erst 1935 durch Aufschüttung an das Festland angebunden wurde. Auch heute noch erkennt man das Fischerstädtchen, allerdings alles höchst liebevoll gepflegt und instandgehalten. Wir können uns gut vorstellen, daß sich diese Wohngegend vom „Armenviertel“ zum so ziemlich teuersten Viertel von Schleswig gewandelt hat.

Die schmalen Gassen führen auf einen geräumigen Platz und wir staunen: das ist doch ein Friedhof! Er gehört der Holmer Beliebung, einer Totengilde, und für einen Jahresbeitrag von 18 Mark (seinerzeit) gebührt allen Mitgliedern ein kostenloses Begräbnis. Wer Näheres darüber wissen will, kann hier nachschlagen.

Durch eine schmale Gasse gelangen wir an die Schlei, ein gemütlicher kleiner Winkel zwischen den Häusern gewährt uns einen Blick auf einen noch aktiven traditionellen Fischereibetrieb links – und rechts auf den modernen Yachthafen mit dem unschönen Hochhaus. Größer könnte der Kontrast nicht sein!

Auf dem Holm wohnen die Menschen beneidenswert schön. Wir sind sicher: ein Haus kann man dort nicht so leicht kaufen, das wird sicherlich von Generation zu Generation vererbt und auch heute erscheinen die Bewohner uns noch als „geschlossene Gesellschaft“ und verschworene Gemeinschaft.

Wir verlassen das schönste Viertel von Schleswig und wandern durch die Fußgängerzone zurück zum Parkhaus.

Noch aber geht es nicht nach Hause: mein Chauffeur kreuzt in gewohnter Manier durch die Lande und bald landen wir an einem Strand an der Ostsee in einer Imbißstube, wo es eine Art „Fish and Chips“ mit hausgemachten eingelegten Gurken gibt. Das Essen ist von wirklich guter Qualität und schmeckt! Zuletzt fahren wir wieder heimwärts und genießen einen gemütlichen Nachmittag im sonnigen Garten. Nach dem Abendessen schreibe ich noch am Tagebuch, bis ein Stromausfall dem ein Ende macht.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Markttag in Husum, meiner Lieblingsstadt in der Gegend. Wir kennen den Markt schon, er ist groß und überaus reichhaltig, und schön! Na, der Rahmen spielt auch eine Rolle, das ist klar. Wir müssen einkaufen, da paßt es gerade. Den Weg zum Parkplatz findet der Meinige ja schon im Schlaf und von dort ist es nur ein Katzensprung über die Hebebrücke des Alten Hafens in die Stadt.

Unter dem ruhigen Blick der Fischersfrau spielt sich das bunte Treiben um die Stände und Wagen der Bauern und Händler ab. Erstmal wandern wir kreuz und quer durch und ich schieße ein Foto nach dem anderen, dann erst geht es an das Einkaufen – Kartoffeln, Kirschen und Tomaten. Jetzt haben wir es eilig heimzukommen, allein schon die Paradeiser locken!

Auf Nordstrand, gleich links wenn man über den Damm kommt, liegt ein großer Hof mit Hofladen und eigenen Erzeugnissen aus ihrer Schaf- und Galloway-Rinderzucht. Dort haben wir uns einen Lammeintopf geholt, dazu koche ich Kartoffeln vom Markt und mache einen Salat aus den mitgebrachten Tomaten. Das Wetter ist wunderschön, also können wir im Garten essen und ein Häferl Kaffee für den Meinigen „läutet“ die Siesta ein.

Am Nachmittag müssen wir natürlich das schöne Wetter nützen und fahren nach Oldenwort. In einem netten kleinen Cafe gönnen wir uns ein Eis und einen sehr netten Plausch mit der reizenden Wirtin. Aus diesem Plausch wird gleich ein kleiner Sprachkurs: Wort ist ein friesisches Wort und bedeutet Warft und Oldenwort heißt daher: alte Warft. Unterwegs liest man immer wieder den Ortsnamen Witzwort, was nichts anderes heißt als weiße Warft.

Daheim, nach dem Haarewaschen, vertiefen wir unsere Sprachkenntnisse mit Hilfe von Google: büll steht für Siedlung, ein vielfach vorkommendes Anhängsel an Ortsnamen, wie Dagebüll und Niebüll (neuer Ort) etc. Besonders belustigt mich ein lustiger Beitrag, der sich mit dem “norddeutschen Dehnungs-C” befaßt.

Was das ist?

Ganz einfach: das c im ck bedeutet hier oben nicht, daß man Mecklenburg wie in meckern ausspricht – nein, es bedeutet, daß das e zum eeee wird. Diese norddeutsche Besonderheit fiel mir schon in den deutschen Nachrichten auf und ich führte sie gemeinerweise auf einen Sprachfehler zurück. Jetzt aber weiß ich es besser!

Reisen bildet eben …

Freitag, 3. Juli 215

Heute Nachmittag erwarten wir unsere Freunde, aber am Vormittag haben wir genug Zeit für einen kleinen Ausflug. Ich bin neugierig auf Heide mit dem größten Marktplatz Deutschlands. So hübsch der Name ist, die Stadt liegt ja in einer Heide, wo unscheinbar ist die Stadt selbst.

Die Stadt ist bekannt wegen ihres gigantischen Platzes. Sie ist sauber und betriebsam, aber nicht sonderlich bemerkenswert. Der Platz ist aber wirklich gewaltig. Ein Zirkus hat sein Zelt und das ganze Drumrum aufgestellt und bedeckt gerade mal ein Eckchen des Platzes. Wenn man nicht genau hinsieht, bemerkt man ihn gar nicht. Unglaublich, aber wahr.

In einer Bäckerei sehen wir Mini-Laugengebäck, sie nennen das Laugenkastanien. Ganz prima, um so nebenher zu naschen! Ich überlege, ob ich nicht was für daheim mitnehmen soll, aber es wäre schade, da wird es nur alt.

Ein Abstecher nach Büsum lohnt sich immer, ich habe mein Herz an das Städtchen und den langgestreckten Hafen verloren. Und ständig geht mir die Ballade von Klaus Groth im Kopf rum: “Ol Büsum liggt int wille Haff ….”, die traurige Geschichte vom Fischerstädtchen, das in einem fürchterlichen Sturm im Meer versinkt. Solche Geschichten gibt es viele an der Nordsee, der “Blanke Hans” tritt nicht selten als grausamer Zerstörer auf. Auch Nordstrand und Pellworm sind durch die “große Mandränke” entstanden.

Schon sind wir wieder auf Nordstrand, der Hofladen hat für uns herrliche Rouladen vom Galloway-Rind, die brauchen wir als Begrü8ungsessen. Für das Mittagessen reichen je ein Krabben- und Matjesbrötchen vom Inselfisch.

Gegen 15.30 Uhr treffen unsere Freunde ein, es ist schön, sie wieder mal zu sehen. Dabei haben wir uns erst vor 2 Jahren das erste Mal getroffen, aber Snowie und ich sind bereits mehr als ein Jahrzehnt Freundinnen im Internet und gehen da durch dick und dünn miteinander. Zu unserer großen Freunde verstehen sich auch unsere Ehemänner miteinander.

Ach, und es wird ein laaanger Abend!

Samstag, 4. Juli 2015

Das Wetter ist wieder wunderschön, daher gibt es Frühstück im Garten, sehr zur Freude unserer Freunde.

Wir trödeln aber nicht lange, denn wir wollen ihnen die Eidersperre zeigen. Das gefällt ihnen sehr, auch der Tunnel, durch den man über die Eider fährt. Es gibt ständig etwas zu sehen, ob es ein Schiff ist oder eine Menge Vögel.

Zum Mittagessen fahren wir in den Kirchspielkrug in Westerheven, da ißt man sehr gut und die Bedienung ist ausgesprochen freundlich und aufmerksam. Es ist viel los, naja, Wochenende und schönes Wetter – und nicht nur wir wissen, wie gut das Essen da ist!

Nachmittags geht es auf Wunsch unserer Freunde nach Husum, ein kleiner Stadtbummel ist immer drin. Als wir hinkommen, werden gerade eben die Brücken gehoben, denn ein Schiff möchte ausfahren, die kleine Brücke im Yachthafen ebenso wie die große Brücke im Handelshafen draußen. Das gefällt uns Allen.

Zum Abendessen sitzen wir wieder im Garten, bis die Sonne verschwindet, dann wechseln wir ins Haus. Auch heute wird der Abend lang, wir kommen erst gegen Mitternacht ins Bett – immerhin eine Stunde früher als gestern!

Sonntag, 5. Juli 2015

Gestern Abend fing es an zu regnen, aber heute Morgen ist es wieder schön und wir fahren mit unseren Freunden auf die Hamburger Hallig. Meine Freundin war noch nie auf einer Hallig und so wählten wir diese, weil sie als einzige mit dem Auto erreichbar ist. Ihr Mann hat mit dem Gehen Probleme, so sind wir auf den Wagen angewiesen.

Das Watt präsentiert sich – naja, wasserarm, denn es ist gerade Ebbe, so wird es nichts mit dem Fußbad meiner Freundin. Komischerweise wollte sie von einem Schlammbad nichts wissen … Aber wir finden einen netten Tisch im Gastgarten des Halligkrugs und lassen uns die gute Hausmannskost dort schmecken.

Nach dem Essen müssen wir leider wieder heim, denn unsere Freunde müssen abreisen und wollen noch vor dem Dunkelwerden zuhause sein.

Nachmittags fängt es an zu regnen, aber gerade zum Sonnenuntergang hört es auf und beschert uns einen prachtvollen Regenbogen.

Montag, 6. Juli 2015

Unser Montagsprogramm heißt Kappeln.

Die Stadt liegt an der Ostsee und ist immer noch ein lebendiger Fischerhafen. Sehr lebendig sogar, ich spaziere so gern an den Fischkuttern entlang, was gar nicht so einfach ist, denn da liegen die Netze und Taue wie man sie losgemacht hat und gelegentlich sitzt auch einer der Fischer da und flickt sein Netz. Überall sitzen und fliegen Möwen und hoffen, daß etwas für sie abfällt.

LKWs fahren zu und ab und Ladungen werden gelöscht. Es herrscht immerzu Betrieb da, wenn der Hochbetrieb auch frühmorgens stattfindet, ehe noch Touristen wie wir in den Ort kommen. Wir sind allerdings schon früh da und erst nach und nach am späteren Vormittag taucht die Masse der Urlauber auf.

Der Hafen ist uns sehr vertraut, er verändert sich kaum. Der alte Speicher steht noch und unverändert ragt der Schornstein der Aalräucherei in die Luft, was ich sehr beruhigend finde.

Jede Menge Lokale wurden an der Hafenzeile aufgemacht, aber wenn wir uns die Speisekarten so ansehen, kriegt man in erster Linie Pizza und internationale Allerweltsgerichte. Trotzdem finden wir ein Lokal, in dem Fisch zubereitet und serviert wird, nett und nicht teuer.

Nach dem Essen geht es wieder heimwärts und das schöne Wetter lädt ein zu einem netten Nachmittag im Garten.

Dienstag, 7. Juli 2015

Dieser Dienstag ist Haithabu gewidmet. Ich bin prächtig ausgeschlafen, das Wetter ist wunderschön und wir sind zeitig unterwegs.

An der Museumskasse wird uns geraten, uns erst das Dorf anzusehen, es seien 3 Schülergruppen angemeldet, die gehen erst ins Museum. Die erste ist schon da und macht mächtig Krach, wie es dem Alter der Kinder entspricht. Also machen wir uns auf den Weg. Das Gelände ist sehr groß und man sieht noch den Wall, der die Stadt umgab.

Die Stadt war zu ihrer Zeit sehr bedeutend und der größte Hafen Nordeuorpas. Aufgrund der reichen Funde hat man ein paar Gebäude im ehemaligen Zentrum rekonstriert, auch ausgestattet, und die Leute spielen mit Vergnügen Wikinger und führen alte Handwerksmethoden vor.In den Häusern nisten Schwalben unterm Dach und in einem Langhaus zankt mich ein besorgter Schwalberich heftig aus, als ich nicht gleich wieder verschwinde und das Nest unter dem Dach fotografiere. Wir gehen noch zum Anlegesteg und beobachten das nachgebaute Wikingerschiff auf dem Wasser draußen, dann machen wir uns auf den Rückweg. Es ist recht heiß und wir atmen auf, als der Weg in den Wald einbiegt und wir im Schatten wandern können.

Das Museum ist sehr gut gemacht, übersichtlich, informativ und sehr reich ausgestattet. Die Qualität der Funde ist beeindruckend. Höhepunkt ist natürlich das im Moor gefundene Schiff.

Die Luft im Museum war recht stickig und ich bin froh, als wir durch sind. Im angeschlossenen Cafe essen wir eine Kleinigkeit und spazieren dann zurück zum Parkplatz. Der Wagen stand schattig und ist angenehm temperiert, das tut gut!

Zuhause wollen wir uns noch in den Garten setzen, aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung: es fängt an zu regnen, und das ergiebig. Macht nichts – das Wohnzimmer unserer Friesenkate ist unglaublich gemütlich!

Mittwoch, 8. Juli 2015

Wider Erwarten ist der Morgen heute sehr sonnig, dicke Wolken jagen im Eiltempo über den Himmel, aber die Sonne hat noch das Sagen. Der Wind ist morgens schon heftig, aber es ist nicht wirklich kalt.

Eckernförde, eine entzückende, überaus gepflegte Stadt, ruft nach uns, vielleicht kriegen wir da ja Sprotten, wissen wir doch, daß die Kieler Sprotten eigentlich aus Eckernförde kommen, so will es die Legende. Tatsächlich werden die Kieler Sprotten schon viel früher als typische Kieler Spezialität erwähnt. Naja, wir werden sicherlich nicht feststellen können, wer da Recht hat!

Auch an der Ostsee bietet sich das gleiche Szenario: Sonne, dicke jagende Wolken und heftiger Wind, es ist aber nicht kalt. So lohnt sich ein Spaziergang durch die Stadt, heute ist ja auch Markttag. Der Markt ist sehr nett und gibt ein paar schöne Fotos. Auch der Stadt fehlt es nicht an Motiven.

Aber – die Fischläden am Hafen sind weg, eine Riesen Baustelle … naja, da werden vermutlich teure Apartments gebaut wie schon am Yachthafen zu sehen. Scheußlich. Wir machen einen Spaziergang am Hafen und schauen, was es da zu sehen gibt. Ein Fischer macht seinen Kutter noch sauber und die Möwen kommen in Scharen und betteln ganz unverschämt. Es ist ein heiteres Bild. Insgesamt wirkt der Hafen viel aufgeräumter als in Kappeln aber auch weniger authentisch.

Also, mit Sprotten ist es nichts. Wir lassen Eckernförde hinter uns und kreuzen statt dessen wild durch die Gegend. An der Badestelle Damp gibt es ein Restaurant namens Koralle, wird von Türken geführt. Wir entscheiden uns für Döner – eine Riesenportion mit Reis oder Bratkartoffeln oder Pommes. Reis erscheint uns am besten – Volltreffer! Man kriegt selten so wohlschmeckenden Reis wie dort.

Weiter geht es im Zickzack durch die Lande – ich muß daheim unbedingt die Karte ansehen, denn ich hab keine Ahnung wo wir uns rumtreiben. Unterwegs kommen wir am Militärflugplatz bei Jagel vorbei, ich mache noch schnell ein Spionagefoto, hihi! Viel schöner aber sind die Kornblumenfelder mit Kamille ein Stück weiter ….Daheim mache ich mich endlich daran, das Tagebuch zu schreiben bzw. nachzuschreiben … und das ist hiermit abgeschlossen.

Noch ist das Wetter schön, aber der Wind ist einfach zu heftig, um draußen zu sitzen. Er heult ganz schön ums Haus. Morgen soll er noch heftiger sein und es soll auch kalt werden, also wird eingeheizt – nur ein bißchen, das genügt.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Der Wind von gestern ist erwachsen geworden und für uns südliche Landratten ist es ein Sturm. Das ist natürlich interessant, also setzen wir uns nach dem gemütlichen Frühstück ins Auto und machen eine Rundfahrt um Nordstrand.

Das Meer sieht gut aus mit den hohen Wellen, alles biegt sich im heftigen Wind und bei unseren Fotostops wir halten uns ganz gern fest, um nicht davongeweht zu werden. Nur die Schafe scheinen völlig ungerührt. Sind halt echte Friesen!

Am Hauke-Haien-Koog hocken die Gänse alle in der Wiese, anscheinend mögen sie das gerippelte Wasser nicht so besonders. Haubentaucher und andere Vögel sitzen anscheinend gut geborgen im Schilf und lassen sich nicht blicken.

Gut durchgeblasen kehren wir auch gern wieder in unsere heimelige Friesenkate zurück und machen es uns mit unserem Kindle gemütlich. Schön warm und windstill ist es da und unglaublich gemütlich, wenn draußen der Wind heult und tobt!

Freitag, 10. Juli 2015

Wir haben Glück mit dem Wetter, es ist wieder richtig schön und das paßt gerade für unser heutiges Vorhaben.

Vor der Seehundstation Friedrichskoog ist genügend Parkplatz und wir schlendern gemütlich durch das Eingangsareal. Zuerst gelangt man zu den Becken, in denen die Dauergäste sich den Besuchern präsentieren. Es macht wirklich Spaß, der Bande zuzusehen, wie sie von einem Becken ins andere rutschen, ihre Kreise ziehen und spielen. Überhaupt einer ist dabei, der daran Spaß zu haben scheint, daß die Besucher ihn begeistert fotografieren: er dreht sich auf den Rücken, schwenkt seine Schwanzflosse und macht allerhand Figuren im Wasser und halb außerhalb. Ein fotogenes Kerlchen!

Bei der Fütterung werden die Seehunde vorgestellt und es wird uns erklärt, warum ein Teil der Pfleglinge nicht mehr ausgewildert werden kann. Im Grunde werden die Seehundbabies, die Heuler, mit so wenig Menschennähe wie möglich großgezogen, damit sie wieder dem Meer übergeben werden können. Man will sie um keinen Preis auf den Menschen prägen, daher wachsen sie auch in Gruppen auf, zusammen mit schon älteren Seehundkindern. Mit den Erklärungen zusammen bekommen die Besucher auch gleich Verhaltensmaßregeln, was die Annäherung an Seehunde in freier Wildbahn betrifft. Das Problem ist nämlich, daß Seehundmütter bei Störungen durch Menschen meist ihre Babies verlassen und die Kleinen dann elend verhungern. Deshalb ist es nötig, die Naturparkranger zu verständigen, wenn man einen Heuler sieht, der ganz allein ist – ja nicht rangehen und schon gar nicht berühren! Auch soll man sich Seehundgruppen, vor allem, wenn Babies in der Gruppe sind, niemals nähern – lassen wir die Geschöpfe der Natur doch endlich einmal in Ruhe!

Kranke Seehunde, die gesundgepflegt werden müssen und sich zu sehr dem Menschen angepaßt haben, müssen behalten werden. Das waren zu dem Zeitpunkt unseres Besuches sieben, die man in den besuchernahen Becken beobachten kann. An die Seehundbabies kommen Besucher nicht ran, die kann man vom Gebäude aus von oben beobachten und durch die Fenster fotografieren.

Das Zentrum hat auch – natürlich – einen Shop und man kann Patenschaften für die Kleinen übernehmen. Aus diesen Angeboten, abgesehen vom Eintrittsgeld, finanziert sich die Station, also bitte: kauft eine Kleinigkeit und eßt im angeschlossenen Restaurant. Die zahlen die Pacht nur solange sich das Geschäft lohnt. Auch Schauräume sind vorhanden, in denen alles rund um die Seehunde der Nordsee erklärt wird.

Wir verbringen eine sehr interessante Zeit dort – und das Essen ist auch nicht schlecht und preiswert. Im Shop findet sich außerdem ein kleines Dankeschön an unsere „Blumenbetreuerin“ daheim.

Auf dem Rückweg schauen wir uns noch Meldorf an, eine sehr interessante Stadt in Dithmarschen. Uns gefällt die Altstadt mit dem großen Marktplatz und dem schönen Dom. Dithmarschen hat sowieso eine ungemein interessante Geschichte und Tradition und uns beeindruckt derGeschlechterfriedhof Lunden mit den Gruften der wichtigen Freibauernfamilien, den wir im letzten Urlaub hier aufgestöbert haben. Und wehrhaft waren sie auch, die Dithmarschener Bauern, ein starkes Geschlecht!

Daheim können wir noch den Abend im Garten verbringen, was uns freut. Wir verbringen einen ruhigen Abend und bereiten uns auf die Abreise morgen vor, denn der schönste Urlaub geht einmal zu Ende. Morgen geht es Richtung Gotha, wo wir übernachten und am nächsten Tag werden wir wieder daheim sein.